Wenn etwas durch mich kommt
Es ist still geworden.
Nicht die nährende Stille.
Sondern die,
die entsteht,
wenn sich etwas zusammenzieht.
Lange habe ich das nicht bemerkt.
Ich war unterwegs.
Fleißig.
Suchend.
Voller Visionen.
Ich konnte es kaum erwarten,
dass sich im Außen endlich etwas bewegt.
Doch nichts geschah.
Oder vielleicht geschah alles –
nur anders,
als ich es erwartet hatte.
Ich verlor meinen Job.
Dann noch einen.
Und noch einen.
Ich machte weiter.
Tat,
was man eben tut.
Suchte nach Antworten.
Nach Stellschrauben.
Nach dem Was.
Was soll ich verändern?
Was muss ich anders machen?
Ich merkte nicht,
dass ich mich selbst dabei
immer wieder überging.
Mein Körper wusste es früher.
Er passte nicht mehr
in meine Schuhe.
Nicht mehr
in meine Kleidung.
Nicht mehr
in das alte Maß.
Dabei liebte ich das Wandern.
Den Wald.
Die Begleitung von Menschen.
Und doch wurde es enger.
Schritt für Schritt.
Atemzug für Atemzug.
Viele nennen diese Zeit verrückt.
Für mich war sie vor allem eins:
eng.
Mir fehlte die Luft.
Der Raum.
Die Bewegung.
Am Ende war da
eine Erstarrung.
Ungeplant.
Unaufhaltsam.
Und vielleicht
war genau das
nötig.
Denn im Nicht-mehr-Können
geschah etwas Unerwartetes.
Ich lernte Hingabe.
Nicht als Aufgeben.
Sondern als Lauschen.
Ganz leise
begann sich etwas zu regen.
Nicht als Idee.
Nicht als neues Konzept.
Sondern als feine Bewegung
im Körper.
Ein Schütteln am Morgen.
Eine Erinnerung
an bewegte Meditationen.
Ein Gedanke aus altem Wissen:
Ohnmacht wandelt sich,
wenn wir in Bewegung kommen.
Mein Körper
wusste das längst.
Jetzt spüre ich:
Das Neue kommt nicht,
weil ich es will.
Es kommt,
weil ich aufhöre,
es zu machen.
Es kommt
durch mich.
Noch ohne Namen.
Noch ohne Form.
Aber lebendig.
Vielleicht ist das meine Arbeit.
Räume zu öffnen,
in denen Bewegung wieder möglich wird.
Ohne Ziel.
Ohne Optimierung.
Ohne Erklärung.
Räume,
in denen Erstarrung
da sein darf.
Und sich dennoch
etwas erinnert:
die eigene Lebenskraft.
Ich weiß noch nicht,
wie das aussieht.
Aber ich weiß,
dass ich es nicht mehr
im Außen suchen werde.
Ich gehe diesen Weg.
Langsam.
Atemzug für Atemzug.
Und schaue,
was sich zeigen will.



