Getragen von Bäumen, bewegt vom Wind
Es gibt Tage, da schenkt uns das Leben Zeit. Ungeplant, unverhofft – und genau dann, wenn wir sie am meisten brauchen. So war es bei mir: Ein Waldbaden, das stattfinden sollte, wurde abgesagt. Zuerst war da ein kurzer Moment der Enttäuschung, dann ein tiefes Aufatmen. Ich spürte: Diese Zeit gehört jetzt mir. Zeit, um einfach zu sein. Zeit, um mich von der Natur berühren zu lassen.
Mit Rucksack und Hängematte zog ich los – ohne Plan, nur mit offenen Sinnen. Schon bald leuchtete mir die Goldrute entgegen. Sie erinnerte mich daran, dass das Licht uns findet, egal wohin wir gehen. Wenige Schritte weiter begegnete ich dem Springkraut – verspielt, sprudelnd, voller Lebenskraft. Es lud mich ein, meine Energie frei fließen zu lassen und doch im Einklang mit meiner Umgebung zu bleiben.
Die Natur spricht in Bildern, wenn wir lauschen. Die süßen Brombeeren am Wegesrand, die mich mit ihrer Fülle beschenkten. Das Heidekraut, das still und leuchtend an Erdung erinnerte. Der Apfel, der mich einlud, meine eigenen Früchte zu ernten. Und die Pflaume, die von Reife und Tiefe erzählte.
Ich ließ mich führen – zu den Sonnenblumen, die wie Kinder des Lichts voller Freude das Leben feiern. Zum duftenden Mädesüß, das mich an Leichtigkeit erinnerte. Zur Haselnuss, die mir die Weisheit der kleinen Dinge zuflüsterte: Alles trägt bereits die Kraft für Neues in sich – wir müssen nur vertrauen.
Auf meinem Weg tauchte sogar ein kleines Mooswesen auf – sanft, still, voller Geschichten. Und zwischen Felsen öffnete sich plötzlich ein Tor. Unscheinbar und doch machtvoll. Ich trat hindurch mit dem Gefühl: Dahinter wartet etwas Neues auf mich.
Später schaukelte ich im Wald, kühlte Arme und Beine in einer Naturkneippanlage und spürte, wie gut es tut, mit allen Sinnen einzutauchen. Auch das Chaos war da: gerodete Flächen, die sich schwer anfühlten. Und doch – der Wald hielt mich, trug mich, beschenkte mich.
Am Abend legte ich mich in meine Hängematte. Der Wind zog mit spürbarer Kraft durch die Bäume – rund 30 km/h. Ich schaukelte zwischen den Stämmen, gehalten und zugleich bewegt. Es war, als würde der Wind meine Gedanken davontragen, alles durchwehen, was nicht mehr gebraucht wird. Inmitten dieser lebendigen Kraft fand ich eine besondere Ruhe: getragen vom Wald, tanzend im Rhythmus des Windes.
Am nächsten Tag blieb ich. Ich ruhte, ließ mich tragen vom Atem des Waldes. Spät frühstückte ich, um mich dann noch einmal ganz der Energie um mich herum hinzugeben. Die Sonne stand fast über mir und strahlte mich an – ein Moment voller Klarheit, den ich nicht verpassen wollte.
Wenn die Sonne weiterzieht, werde auch ich weiterziehen.
Ich lauschte dem Zwitschern der Vögel und spürte die Ruhe in mir. Und doch stellte ich mir die Frage:
Warum finde ich diese Stille so leicht im Wald – und so schwer zu Hause?
Welche Stimmen lenken mich dort ab, was hält mich fern von dieser Tiefe?
Es sind solche Fragen, die der Wald uns stellt – still, ohne Worte, und doch voller Antwort.
Der Wald hat mich beschenkt. Mit Pflanzen, die ihre Weisheit teilen. Mit Stille, die trägt. Mit Bildern, die mir neue Kraft schenken.
Die Natur gibt uns, was wir brauchen – wenn wir bereit sind, zuzuhören.
Wenn auch du eintauchen möchtest in diese Sprache der Pflanzen, in die Weisheit der Natur und in die Kraft des Waldes, lade ich dich herzlich ein, mit mir auf Entdeckungsreise zu gehen. Gemeinsam lauschen wir dem, was dich nährt, stärkt und in die Tiefe führt.



