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Ein Ort der Rückkehr – Wandlung auf dem Mont Sainte-Odile

Neumond, Aufbruch, Nichtwissen

Es war der Neumond am 24. Juli 2025, der eine Tür in mir öffnete. Ich spürte deutlich: Jetzt ist die Zeit. Die Zeit, mich aufzumachen – heraus aus dem Alltag, hinein in das Nichtwissen.

Ich war nicht allein unterwegs. Auch mein Gegenüber befand sich an einem Wendepunkt. Wir gaben einander Raum – still, achtsam, lauschend.

Unser Ziel: Der Odilienberg im Elsass – ein Ort, von dem ich schon vieles gehört hatte.

  • Der Berg erhebt sich 760 m über der Rheinebene. Die Weite, die Felsen und Wälder wirken klärend und kraftspendend.
  • Die Heidenmauer – eine 10 km lange Mauer aus riesigen Sandsteinblöcken – ist bis heute ein Rätsel.
  • Orte wie Druidenhöhle, Aussichtsfelsen, Kapellen und Waldlichtungen laden zum Innehalten ein.

Der Odilienberg ist ein uralter Kraftplatz – zwischen Himmel und Erde, Menschenwelt und Anderswelt.

Er liegt auf einer bekannten Leyline, die viele spirituelle Orte Europas verbindet – wie Chartres, Montségur oder Assisi. Ich wusste nicht genau, was mich dort erwartete. Nur eines war klar:
Ich musste hin.


Verloren und gefunden

Die Ankunft war ernüchternd. Viel Trubel, viele Menschen – nichts von der ersehnten Stille. Ich fühlte mich wie eine Suchende ohne Kompass.
Also gingen wir hinaus in die Natur.

Ein besonderer Moment ereignete sich zwischen uralten Lindenbäumen – eine davon völlig ausgehöhlt, aber voller Würde. Sie ließ mich eintreten – in einen stillen Raum, wie in den Bauch von Mutter Erde.

„Auch wenn du durchlebt wurdest, verletzt bist, leer scheinst – dein Licht strahlt. Dein Wesen bleibt unversehrt.“


Erinnern – nicht im Tun, sondern im Sein

Ich fragte mich plötzlich: Habe ich schon einmal in einem Kloster gelebt?
Diese Klarheit, dieses stille Wissen… Vielleicht sind wir heute hier, um mit dem alten inneren Wissen den Wandel im Außen zu begleiten.

Nicht im Tun, sondern im Sein. Erinnern. Verankern. Singen. Lauschen. Dasein.

Ich öffnete eine Tür, hörte Gesänge, folgte ihnen durch alte Gänge, kam am Sarkophag der Odilie vorbei und saß später in der Kreuzkapelle, wo eine Gruppe junger Frauen sang – mit Schweiß, Hingabe und Tiefe.


Kapellen, Kirche, Quelle – heilige Räume

Immer wieder zog es mich in die stillen Räume:

  • Die Grabkapelle der heiligen Odilia
  • Die Kreuzkapelle, mit der berührten Mittelsäule – dem „Herz“ des Raumes
  • Die große Basilika, deren Weite ein stilles Echo in mir hinterließ

Nach jedem Innehalten gingen wir durch den Rosengarten, hinaus in die Natur.


Heidenmauer, Druidenplatz, Erinnern

Eine Wanderung entlang der Heidenmauer führte mich zum Druidenplatz und zur Absturzstelle des Airbus A320.

Ein Moment tiefer Demut.
Verbunden mit der Vergänglichkeit.

Wir bereiteten Wurzelgemüse aus dem Garten meiner Eltern zu – einfach, nahrhaft, erdend. Es war mehr als eine Mahlzeit.
Erinnerung. Ursprung. Nahrung aus der Tiefe.


Singen. Lauschen. Gebet.

Zurück in der Basilika begegnete ich zwei Frauen im Altarraum.
Sie sangen französische Gebete – und fragten mich, ob ich ein deutsches Lied kenne.
Ein Lied stieg auf: „Maria breit den Mantel aus…“
Ein uraltes Marienlied – Schutz. Trost. Geborgenheit.

Eine der Frauen sprach Deutsch und erzählte uns von einer Gebetsgemeinschaft, die es schon seit 1931 gibt. Seit dem 5. Juli jenes Jahres lösen sich Woche für Woche Gruppen aus verschiedenen Regionen des Elsass ab – Tag und Nacht im Gebet.
Sie beten – für sich, füreinander, für die Welt.

„Wir wachen auch für jene, die nicht (mehr) beten können – aus Gründen, die Gott allein kennt.“

In dieser Woche war eine Frau für die Organisation und die Übergaben zwischen den Gruppen verantwortlich – sie nahm sich Zeit für ein Gespräch, erklärte Abläufe und lud uns ein, am nächsten Abend im Altarraum mit dabei zu sein.
Ein stilles, kraftvolles Feld – offen für alle, die einfach dasein möchten.


Der Gottesdienst – Reibung und Erkenntnis

Am nächsten Tag nahm ich am katholischen Gottesdienst teil.
Es war mir dann doch zu viel. Vor der Kommunion zog ich mich zurück:

„Bis hierher konnte ich mitgehen – aber jetzt brauchte ich Raum für mich.“

In mir tauchte das Thema auf: Am Odilienberg wirken weibliche und männliche Kräfte – aber nicht immer im Gleichgewicht.
Mein Körper spürte das, noch bevor ich Worte dafür fand.


Die Quelle – Rückkehr zur Essenz

Nach dem Gottesdienst wurde die Odilienquelle zu einem heiligen Ort für mich.
Ich trank ihr Wasser, badete meine Füße – und vielleicht auch meine Zweifel darin.

Später zog ich mich zurück – in meine Hängematte, in mein Feld.
Kein Rückzug – sondern Zentrierung.

Am Abend: Altarraum. Gebet. Mein Platz.

Ich musste nichts wissen.
Ich musste nichts leisten.
Ich brauchte nur meinen Atem. Meine Stille. Mein offenes Herz.

Ein heiliger Moment.


Getragene Stille – das Unsichtbare wirkt

Am Sonntagmorgen ging ich früh hinaus – dem Ruf der Natur folgend, aber auch dem Wunsch, ein letztes Mal durch die alten Gänge zu gehen.

Der Abschied war still. Und doch war etwas klar:
Die Tür steht offen.

An der Quelle traf ich die Frau der Gebetsorganisation, noch einmal.
Ein letztes Zeichen.
Wir tauschten Nummern.
Wenn es sein soll, werde ich wiederkommen.
Vielleicht sogar selbst eine Zeitlang wachen und beten.


Was bleibt

Diese Reise war kein Tapetenwechsel.
Sie war Initiation.

Ein Impuls, der sich in meinem Sein verankert:
Menschen begleiten in Wandlungsphasen.
Sie in Berührung bringen mit heiliger Stille, innerem Lauschen, Natur und Gebet.

Denn manchmal beginnt das Wahre, wenn man sich nicht mehr erklären kann, warum man da ist.
Sondern einfach bleibt.


Wach bleiben – für sich. Füreinander. Für die Welt.

Etiketten ablegen.
Identitäten verlieren.
Wesenhaftigkeit entdecken.

In mir lösen sich alte Bilder: Tochter, Begleiterin, berufliche Rollen.
Sie verblassen – nicht ins Nichts, sondern in einen größeren Raum.

Denn der Odilienberg fragt nicht:
„Was bist du?“
Sondern:
„Wer bist du – wenn du nichts mehr darstellst?“

Und genau das habe ich gelebt –

Im Schweigen der Kapellen.
In der Berührung durch Gesang und Glocken.
In den alten Räumen beim Frühstück.

Ich bin dabei, mein wahres Wesen freizulegen.


💫 Angebotsimpuls: Wandlungszeiten auf heiligen Wegen

Diese Erfahrung wird nachwirken – in mir, in meinem Wirken.
Ich spüre den Ruf, Menschen in Zeiten der Wandlung an solche Orte zu begleiten. Orte, an denen die Grenzen zwischen Innen und Außen durchlässig werden.

Wenn dich das ruft, begleite ich dich gern:

  • in der Stille der Natur
  • in heiligen Räumen
  • im Lauschen, Singen und Sein

🕊️ Einzelsessions. Rituale. Begleitung in Umbruchphasen.
Der Odilienberg war erst der Anfang.