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Corona – und die Erinnerung an unsere Würde

Corona – und die Erinnerung an unsere Würde

Am Wochenende war ich im Dom in Aachen.

Ich bin ohne Ziel hineingegangen.
Eher im Lauschen als im Suchen.
In dieser besonderen Stille, die alte Räume in sich tragen.

Und dann blieb mein Blick hängen.

An einem Bild.
Der Krönung Marias.

Alt. Schlicht.
Und doch voller Präsenz.

Ein Wort hat mich nicht mehr losgelassen:

Corona.


Ich kenne dieses Wort.
So wie wir es alle kennen.

Und ich spüre, was es in mir ausgelöst hat in den letzten Jahren.

Enge.
Schwere.
Eine leise, kaum greifbare Spannung im Körper.

Und gleichzeitig stand ich dort –
und habe etwas ganz anderes gefühlt.


Corona.

Die Krone.
Der Kreis.
Das Ganze.

Etwas in sich Ruhendes.
Etwas Würdevolles.
Etwas, das vollständig ist.


In diesem Moment wurde mir etwas sehr klar:

Ein Wort ist nicht einfach ein Wort.

Es ist ein Raum.
Und wir füllen ihn.


Wir Menschen geben Bedeutung.

Durch das, was wir erleben.
Durch das, was wir hören.
Durch das, was wir immer wieder wiederholen.

Und irgendwann fühlt es sich wahr an –
auch wenn es vielleicht nur eine Schicht ist,
die sich darübergelegt hat.


Ich stand dort und habe gespürt:

Ich darf wählen.

Ich muss nicht alles übernehmen,
was sich kollektiv über ein Wort gelegt hat.

Ich darf zurückgehen.
Zur ursprünglichen Bewegung.
Zu dem, was darunter liegt.


Und genau darin liegt für mich gerade etwas sehr Kraftvolles.

Denn wenn ich beginne,
einem Wort seine ursprüngliche Bedeutung zurückzugeben,

gebe ich auch mir selbst etwas zurück.

Weite.
Klarheit.
Innere Aufrichtung.


Diese Erfahrung wirkt weiter in mir.

Auch in meiner Begleitung.

Ich begegne Menschen,
die Worte in sich tragen, die eng geworden sind.

Begriffe, die sich festgesetzt haben.
Die bewertet sind.
Die sich schwer anfühlen.

Und oft liegt darunter etwas ganz anderes.

Etwas, das gesehen werden möchte.
Etwas, das wieder Raum braucht.


Ich öffne Räume,
in denen genau das geschehen darf.

Ohne Druck.
Ohne Erklärung.

Sondern im eigenen Erleben.


Vielleicht ist das ein Teil meines Weges:

Nicht Worte zu verändern.

Sondern den Raum,
in dem wir ihnen begegnen.


Ich habe Ähnliches an einem anderen Ort erfahren.

In Indien begegnete mir ein uraltes Symbol,
das in mir zuerst Enge ausgelöst hat.

Und gleichzeitig wurde es dort mit einer Selbstverständlichkeit getragen,
die frei war von dieser Bedeutung.

Ein Moment, der etwas in mir verschoben hat.

Nicht im Kopf.

Sondern tiefer.


Bedeutung ist nicht fest.

Sie bewegt sich.
Mit uns.
Durch uns.


Und vielleicht beginnt genau hier etwas Neues.

Nicht laut.
Nicht im Widerstand.

Sondern leise.

In dem Moment,
in dem wir beginnen, wieder selbst zu fühlen.


Für mich ist „Corona“ gerade genau das:

Keine Enge mehr.

Sondern eine Erinnerung.

An Würde.
An Ganzheit.
An das, was in sich rund ist.


Und vielleicht ist genau das der Weg zurück:

Nicht gegen etwas.

Sondern für das Eigene.

Für die eigene Wahrnehmung.
Für die eigene Wahrheit.
Für die eigene Kraft.


Wenn du spürst, dass dich dieser Weg ruft,
dass sich etwas in dir lösen oder neu ordnen möchte,

bin ich da.

Still.
Offen.
Und mit einem Raum,
in dem du deiner eigenen Wahrheit wieder begegnen kannst.